zurück aus der Versenkung

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Die vorletzte Woche habe ich mich krank schreiben lassen. Nichts ging mehr. Ich habe mich leer und emotionslos gefühlt. Konnte mich keine 5 Minuten auf irgendetwas konzentrieren. War gereizt und hätte am liebsten jeden der es wagte den Mund aufzumachen angegiftet. So bin ich eigentlich nicht. Überhaupt nicht.

Die ersten 4 Tage habe ich gefühlte 18 Stunden pro Tag geschlafen. Danach habe ich mich schon wieder etwas menschlicher gefühlt.
Trotzdem habe ich mich nach der Krankschreibung nochmal 3 Tage beurlauben lassen. Irgendwie konnte ich mich vor dem Klinikbesuch auf nichts konzentrieren und höchstens ablenken.
Ich war viel wandern, joggen und reiten. Habe mein Fahrrad zur Inspektion gebracht und hoffe das die körperliche Betätigung meinem Geist gut tut. Auf der anderen Seite brauche ich viel Schlaf und Entspannung, in Form von akustischer Ruhe.

Manchmal weiß ich nicht, wie ich die kommenden 30 Jahre noch 8 Stunden täglich arbeiten soll. Hinzu kommen noch Pausen und Anfahrten. Da bin ich locker 10 Stunden aus dem Haus.
Heute fühle ich mich allerdings wieder fit. Bin auch froh meine Kollegen wiederzusehen. Sie sind doch alle sehr nett und fürsorglich und haben sich nach meinem Befinden erkundigt.
Die letzten 5 Jahre war ich vielleicht insgesamt 3 Tage krank. Es ist nicht meine Art krank zu machen. Obwohl ich es sicherlich schon früher mal hätte tun sollen.
Aber wenn ich kein Fieber habe oder aufgrund von Magen-Darm ncith von der Toilette weg komme, dann bin ich auch nicht krank. Was für ein Schwachsinn eigentlich.

Ich werde versuchen mich bald an den Integrationsfachdienst zu wenden und gemeinsam mit denen eine Reha/Kur zu beantragen.
Vielleicht fallen mir auch noch Lösungen ein, die mir das Arbeitsleben erleichtern. Mein Chef ist da glaube ich ganz empfänglich.
Aber am liebsten würde ich gerne ganz normal unauffällig meine Dinge erledigen ohne irgendwelche Extrawürstchen zu beantragen.

Man sieht: angenommen habe ich meine Behinderung noch nicht. Nicht einmal meine Schwerhörigkeit, die mir momentan die größten Schwierigkeiten macht und die ich schon von Geburt an habe.

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4 Gedanken zu „zurück aus der Versenkung

    Susanne sagte:
    2014/05/26 um 11:44

    Du sprichst mir mit deinen Worten gerade aus der Seele.
    „Aber am liebsten würde ich gerne ganz normal unauffällig meine Dinge erledigen ohne irgendwelche Extrawürstchen zu beantragen.“
    Ganz genau so geht es mir auch. Einfach nur arbeiten können wie die anderen auch. Ich komme gerade von einem Gespräch mit meiner Kollegin. Und mir fällt auf: Niemand geht so hart mit mir um wie ich selber.
    Es ist in deiner Situation mehr als verständlich, dass du nicht mehr kannst. Schwerhörig sein alleine ist schon anstrengend genug, wenn man dann auch noch erfährt, dass die Augen langsam aber sicher schlapp machen ist das ein harter Schlag ins Gesicht.
    Versuche nicht 30 Jahre im voraus zu denken, Gut, dass du dich hast krank schreiben lassen, denn an der Reaktion der Kollegen merkt man, das sie Anteil nehmen, dich wertschätzen und sich sorgen.
    Ich wünsche dir, dass es dir immer besser gelingt, dich anzunehmen, so wie du bist! Ich weiß, das sagt sich leichter als es ist. Ich bin selber längst noch nicht so weit, mich anzunehmen.
    Alles Gute für dich
    Susanne (aber die andere 😉 )

    Gefällt 1 Person

      mamuhefi geantwortet:
      2014/05/27 um 10:44

      Hallo Susanne,
      lieb dass du dich hier gemeldet hast.
      Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann bist du ja Lehrerin. Was für ein Horrorberuf für den Schwerhörigen, laut meiner Vorstellung. Ich habe einen relativ ruhigen Büroarbeitsplatz und trotzdem bringt mich jede Kleinigkeit aus der Konzentration.

      Ich hoffe dir macht er trotzdem noch Spass. Hast du ansonsten schon mal darüber nachgedacht dich beruflich zu verändern.
      Ich denke in den letzten Tage permanent daran was ich beruflich jetzt noch will und kann.

      Mir war immer klar, dass ich irgendwann nochmal den Job wechsel. Bin ja noch jung.
      Aber mittlerweile bezweifel ich das. Soviel Luxus wie hier (nette Kollegen, Einzelüro, unbefristeter Vertrag) werde ich so schnell nicht wieder bekommen. Und wenn das Autofahren wegfällt, dann bin ich auch in der Hinsicht sehr unflexibel.
      Ich kann mich auf keine Jobs bewerben die Autofahren benötigen oder dessen Arbeitsplatz nicht gut mit den öffentl. erreichbar ist.

      LG,
      Helen

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        Susanne sagte:
        2014/05/27 um 17:02

        Hallo Helen,
        ich habe auf meine „alten Tage“ beruflich erst angefangen und vor 2 Jahren mein Referendariat gemacht, von daher denke ich noch nicht daran, mich zu verändern. Als Sonderschullehrerin habe ich aber auch nur 7 SchülerInnen zu Zeit, die allerdings teilweise sehr laut schreien, über den „gesunden“ Dezibelbereich hinaus. Die Geräusche sind schon nicht ohne.
        Ich fahre mit dem Fahrrad zur Schule, da habe ich Glück, meine Schule vor Ort zu haben, Auto fahren ist schon lange nicht mehr … ja ich mag meinen Beruf und die Kinder sehr. Sie sind so unvoreingenommen, was mein schlechtes Sehen und Hören anbelangt und sind auch sonst auf ihre Art sehr einzigartig.
        Mein Ohrenarzt ist der Meinung, dass in meiner Situation ein Cochlea-Implantat angebracht sei. Das hat mich die letzten Tage völlig aus der Bahn geworfen, weil ich wahrscheinlich nach den Ferien endlich eine unbefristete Stelle bekomme und mir nicht vorstellen kann, im Schulbetrieb das Hören neu zu erlernen. Deswegen habe ich es für mich gedanklich erst einmal an die Seite geschoben, das packe ich zur Zeit nicht und hat mich extrem runtergezogen.
        Auf unserer Klassenfahrt ist meiner Kollegin erst einmal bewusst geworden, welche Auswirkung meine Sehbehinderung hat, ihr war nicht klar, dass ich meine Schüler am Strand teilweise nur mit meinem Monokular weiter weg erkennen konnte. Sie war erschüttert, sieht aber mittlerweile, was ich Tag für Tag leisten muss, weil es eben nicht klappt, das schlechte Sehen über das Hören auszugleichen und umgekehrt.

        Wenn du dich in deinem Job gut aufgehoben fühlst und klar kommst würde ich noch keinen Gedanken an einen Wechsel verschwenden. Du musst dir über so vieles klar werden, da ist ein sicherer Anker in deinem Leben wichtig.
        Liebe Grüße und alles Gute
        Susanne

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      mamuhefi geantwortet:
      2014/06/02 um 15:01

      Hallo Susanne,
      deine Bedenken wegen den CIs kann ich gut nachvollziehen. In deiner beruflichen Situation würde ich vielleicht genau so handeln.
      Vielleicht hilft dir mein neuer Beitrag und was der Professor aus der Klinik zu mir meinte.
      Hast du schonmal mit CI-Trägern gesprochen?
      Man macht ja oft auch erst nur ein Ohr. Kann also mit dem anderen (dem besseren) Ohr weiter wie gewohnt hören.

      LG,
      Helen

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