Was der Schwerhörige nicht braucht: Voice-Over Synchro

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Ich gucke gerne Dokumentationen oder Wissenssendungen.

Oft kommen irgendwelche Experten oder auch sonstige Befragten aus aller Herren Länder zu Wort. Da man nun nicht jede Sprache beherrscht, wird das Gesprochene netterweise übersetzt.

Aber wieso wird die Synchronisation drüber gelegt? Wieso muss man das original Gesprochene auch noch hören? Wer kann denn 2 Sprachen gleichzeitig zuhören und verstehen? Es fällt mir unheimlich schwer mich auf die deutsche Übersetzung zu konzentrieren. Wieso lässt man das Hintergrundgeschwurbel nicht einfach weg? Voice-Over wird der Effekt wohl offiziell in der Tontechnik genannt und soll wohl dazu dienen, dass Authentizität erhalten bleibt. Mich nervt es schlichtweg und mittlerweile habe ich aufgegeben und höre nicht mehr hin. Ich finde das wirklich schade.

Von mir aus können sie auch Untertitel einblenden. Was sie witzigerweise oft tun wenn ein deutschsprachiger mit unmöglich stark ausgeprägten Dialekt redet. Dies ist wiederum ungünstig für Sehbehinderte. Daher denke ich, eine vernünftige Synchro ohne Originalsprache im Hintergrund + Untertitel wäre das Fairste.

 

Generell stelle ich mich hier mal auf die Seite der Gehörlosen/Ertaubten. Ich wünsche mir mehr Untertitel. Habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht wieviel Wissen an euch vorbei gehen würde, wenn ihr nicht mehr hören würdet.

  • Keine Infos durch Radionachrichten und -berichte.
  • Keine Infos durch Kollegentratsch.
  • Keine Infos durch Fernsehmagazine.
  • Keine Infos durch Vorlesungen oder Lehrveranstaltungen (Seminare, Kurse).
  • Keine Infos durch Telefonate.
  • Keine Infos nebenbei bei gemeinschaftlichen Aktivitäten (Sport, Ausflügen, zufälligen Begegnungen auf der Strasse).

Keiner gibt sich dauerhaft die Mühe seinem gehörlosen oder schwerhörigen Mitmenschen diese Dinge zugänglich zu machen. Da es ziemlich aufwändig ist. Ich vergleiche es gerne mit einem Austauschstudenten/schüler/kollegen, der die deutsche Sprache nicht spricht. Eigentlich muss man, wenn dieser dabei ist, alles in Englisch kommunizieren. Am Anfang klappt dies noch ganz gut. Aber es ist mühsam. Immer mehr schleichen sich die Gelegenheiten ein, dass man mal eben was auf Deutsch abklärt, da es schneller und einfacher geht. Der Anderssprachige bekommt immer weniger mit. Er fragt sich wieso z.B. gerade alle so herzhaft lachen, hat er vielleicht was Ungeschicktes gesagt? Weil er von etwas nicht wusste? Warum ist die Stimmung so schlecht? Hat er vielleicht einen Fehler gemacht, weil er irgendwelche Abmachungen nicht mitbekommen hat? Und dann wundert man sich, dass sich dieser immer mehr zurück zieht, sich seines Gleichen sucht und froh ist, wenn er wieder daheim sein kann.

Daher ist das Blödeste was man einem Schwerhörigen sagen kann, wenn er leider mal wieder nachfragen muss was gesagt wurde, „ach nicht so wichtig“. Mag sein, dass es nicht so wichtig war, da Menschen unheimlich viel unwichtiges Zeug von sich geben 😉 … die Wahrscheinlichkeit ist da ziemlich hoch, dass dies stimmt. Aber dennoch sollte der Schwerhörige selbst entscheiden, ob es für ihn wichtig ist oder nicht.

Diesen Satz bekommt man leider ziemlich oft zu hören. Sicherlich sagt man ihn auch häufig mal zu Normalhörenden. Aber der Satz fühlt sich bei mir fast so an wie ein Schlag ins Gesicht. Es schmerzt auf jeden Fall jedes Mal mehr.

 

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