autofahren

Autofahren III: Angst vor Verlusten

Gepostet am Aktualisiert am

Mittlerweile fahre ich so gut wie kein Auto mehr. Am Wochenende vielleicht nochmal zum einkaufen oder sonst wohin.

So auch am vorletzten Samstag. Ich hatte einen Termin zu einer Veranstaltung (übrigens ein Treffen mit anderen Usherles), ca. 60  km entfernt. Mit dem Auto brauchte ich ca. 45 min, mit den öffentlichen hätte es 2,5 h benötigt (ein Weg). Daher überlegte ich nicht lange und nahm das Auto. Ich frage mich, zu wievielen Dingen ich demnächst nicht mehr hingehen werde, weil die Anfahrt einfach utopisch ist. 😦

Die Strecke war größtenteils über Autobahn, das Wetter war perfekt (bewölkt, aber kein Regen) und somit traute ich mir die Fahrt ohne Bedenken zu. Ich hab die doppelte Zeit eingeplant und mir den USB-Stick mit aktueller Lieblingsmusik voll geladen. Diese schön laut aufgedreht und bin losgecruist.

Tja und dann liefen plötzlich einfach die Tränen. Konnte sie nicht aufhalten. Wie gerne habe ich das immer gemacht. Längere Autofahrten, allein, ohne Zeitdruck, dabei Musik hören und mitträllern. Nicht hier sein und auch nicht dort.  Bald wird es Geschichte für mich sein.

Dabei ist Autofahren doch etwas, was für die meisten bis ins hohe Alter möglich ist. Ich bin erst 33. Wahrscheinlich ist es nur so schmerzhaft, weil ich befürchte, dass es erst der Anfang von vielen weiteren ungewollten Verzichten ist.

Daher hab ich gleich die Woche drauf mein Fahrrad aus dem Schuppen geholt, das dort seit über 3 Jahren verschimmelt und auf Vordermann gebracht. Von meiner neuen Wohnung aus kann ich gut wieder zur Arbeit fahren. Das hab ich nun schon einige Male durchgezogen (puh…schlechte Kondition lässt grüßen). Ich habe ganz vergessen wieviel Spaß das macht. 🙂

Irgendwann wird auch das nicht mehr möglich sein…

Das einzig Gute was ich dem Beschriebenen dann doch noch entnehmen kann, ist, dass ich die Dinge nun bewusster wahrnehme und genieße. Nichts was heute noch selbstverständlich ist, wird auch morgen selbstverständlich sein. Das gilt übrigens für jeden.

Sylvester kann kommen (Autofahren II)

Gepostet am Aktualisiert am

… das Jahr 2014 nervt mich. Ich möchte es gerne hinter mir lassen.

Die Usher-Diagnose war ja schon der Ober-Brüller.

Nun merke ich wie die Tage dunkler werden und ich schwermütiger. Es ist noch keine Lösung für den Winter zwecks Fahren-zum-Stall gefunden. Mein Kompromiss für die dunkle Zeit war, meinen Chef zu fragen, ob ich 2x die Woche eine längere Mittagspause machen kann, um im Hellen zu meinem Pferd zu können.

Dumm nur, dass nun jemand mein Auto zu Schrott gefahren hat. Ich kann absolut nichts dafür. Ich war nicht einmal drin, da es geparkt am Straßenrand stand. Trotzdem wirtschaftlicher Totalschaden. Ich mag gar nicht erwähnen, dass dies auch noch genau auf meinem Geburtstag geschehen ist. Das glaubt mir doch eh keiner. Wie aus einem schlechten Film.

IMG-20140904-WA0005

Zuerst war ich richtig am Boden zerstört, da ich dies als Wink mit dem Zaunpfahl gesehen habe: „Du sollst kein Auto mehr fahren!“. Besser jemand anderes fährt das Auto Schrott als ich, möglicherweise sogar noch mit Personenschaden.

Mittlerweile habe ich mich aber wieder gefasst und mir gesagt, dass ich kein esoterischer Mensch bin und an so einen SchnickSchnack nicht glaube. Daher sehe ich mich nun nach einem günstigen neuen Gebrauchtwagen um. Ich weiß einfach noch nicht wie ich alles managen soll ohne Auto und der richtigen Wohnung. Bei letzterem tut sich ja auch nichts Neues auf.

In den meisten schlechten Filmen gibt es ja immerhin dann auch ein super-kitschiges Happy End. Da warte ich nun drauf! *grml*

Autofahren I: die erste große Hürde

Gepostet am Aktualisiert am

Schwerhörigkeit stellt für das Autofahren kein Problem dar. Ich kenne Gehörlose die Autofahren und gesetzlich ist das auch erlaubt. Das einzige Problem, was mich selbst auch ins Schwitzen bringt, ist, dass man Sirenen überhört. Ich wäre einmal schon fast von einem Krankenwagen erfasst worden. Aber ich weiß, dass einige Automobilhersteller gewillt sind dieses Problem mittels optischer Signale im Autoinneren zu lösen.

Wenn die Augen den Geist aufgeben, dann sieht das Ganze anders aus. Der Sehsinn ist für das Autofahren unersetzlich. Das ein Vollblinder nicht autofahren kann, ist für jeden logisch. Doch wo ist die Grenze bei einer fortschreitender Sehbehinderung?

Mich persönlich interessiert bei meiner Erkrankung das Gesichtsfeld. Gesunde Augen können im Idealfall ein Gesichtsfeld von 180 Grad in der Horizontalen abdecken. Die Fahrerlaubgnis-Verordnung (FeV) schreibt bei Beeinträchtigungen folgendes dazu vor:

Anlage 6 (zu §§ 12, 48 Abs. 4 und 5)

Anforderungen an das Sehvermögen

1.2.2 übrige Sehfunktionen
Gesichtsfeld:
Normales Gesichtsfeld eines Auges oder ein gleichwertiges beidäugiges Gesichtsfeld mit einem horizontalen Durchmesser von mindestens 120 Grad, insbesondere muss das zentrale Gesichtsfeld bis 20 Grad normal sein. Insgesamt sollte das Gesichtsfeld jedes Auges an mindestens 100 Orten geprüft werden. Ergeben sich unklare Defekte oder steht nicht zweifelsfrei fest, dass die Mindestanforderungen erfüllt werden, so hat eine Nachprüfung an einem manuellen Perimeter nach Goldmann mit der Marke III/4 zu erfolgen.

 

Ich warte noch immer auf meinen offiziellen Bericht aus der Klinik, aber so wie ich meinen Arzt verstanden habe, sollte ich aus dem oben markierten Grund, kein Auto mehr fahren. Es liegt also nicht an dem Gesichtsfeld im Großen und Ganzen. Sondern an zusätzlichen blinden Flecken (Skotome), die leider in das 20 Grad-Feld reichen.

Das trifft mich ziemlich hart und wird die erste große Hürde für mich sein, die es zu überwinden gilt. Ich sehe selbst ein, dass ich im Dunkeln aufgrund meiner schlechten Nachtsicht nicht mehr fahren sollte. Aber tagsüber kann ich mir fast nicht vorstellen, dass diese Tatsache Realität sein soll.
Nun haben mich andere Betroffene natürlich eindringlich gewarnt dies ernstzunehmen. Sollte ein selbst verschuldeter Unfall mit Personenschaden passieren, wird man seines Lebens nicht mehr froh. Das kann ich absolut nachvollziehen und hoffe auch, dass ich die Kurve rechtzeitig kriege ( 🙂 wie doppeldeutig).
Momentan fahre ich aber tagsüber noch. Mein aktueller Lebensentwurf ist anders gar nicht umsetzbar. Ich fahre zur Arbeit mit dem Auto, danach zum Stall zu meinem Pferd. Das wäre mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht machbar.

Ich sehe mich nach neuen Wohnungen um. Aber es schmerzt alles sehr. Damit wird ein großes Stück Selbstständigkeit, Flexibilität und Spontanität in meinem Leben verloren gehen.

Ich kann nicht mal eben eine Freundin im 50km-entfernten Frankfurt besuchen fahren. Nicht mal eine Freundin im Nachbarkaff, da ich mit den Öffentlichen dafür einen sehr großen Umweg in Kauf nehmen müsste. Nicht mal eben in den Baumarkt im Industriegebiet oder zu einer Veranstaltung. Jeder Ausflug wird genau geplant werden müssen, die Uhr wird mein ständiger Begleiter werden, damit man nicht den letzten Bus verpasst.
Auch beruflich wird es mich einschränken. Jobs bei denen Fahrbereitschaft gefordert ist fallen weg. Jobs die schlecht ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden sind fallen weg oder erfordern einen erneuten Wohnungsumzug. Möglicherweise in Gegenden die mir nicht zusagen.
Dies bedeutet ein Verlust an freier Lebensentfaltung/-gestaltung.

Ich versuche mich damit zu trösten, dass ich die meiste Zeit meines Lebens (als Kind, Jugendliche und Studentin) auch ohne Auto ausgekommen bin und mich nicht benachteiligt gefühlt habe. Außerdem nerven mich die alltäglichen Fahrten im Berufsverkehr eh tierisch. Und Sprit und sonstige Kosten spart es auch.